Pfingsten Hannover 2013 DECIUS Buchhandlung
By 23.11.2011

DECIUS.artists – Projektkunst in der Tradition des objet trouvé + im absoluten Halteverbot

Auf den Spuren des legendären Marcel Duchamp, konzeptuell erweitert durch heftige Anleihen an die Arbeiten des Materialdisponenten Arman und beflügelt durch die geilen Staubsaugerassemblagen eines Jeff Koons hat die ‘no-name’-Künstlertruppe der DECIUS.artists in einem situativen Minimalkontext (in kritischer Reflexion auf urbane Tristheitszusammenhänge) eine zugleich retrospektive wie verzweifelte Materialcréation als krass temporäre Intervention in die überrauschende Dgitalisierungswelle der benachbarten Medienlandschaft konzipiert: in stilisierten Gefängnisgittern aufgetürmte Papier+ Papprelikte des traditionellen Buchhandelskonzeptes ‘print’ sollen zum einen das Gefangen-Sein in eben dieser Tradition symbolisieren, wie auch die Trauer über die aktuell überbordende Entsorgungsbereitschaft (fast möchte man sagen: Entsorgungswut) bezüglich des Althergebrachten. In der Dialektik des (fast) umstürzenden Altpapiers und der es stabilisierenden Gefängnisanmutung wird in dieser künstlerischen Position die politische Dialektik von Freiheit und Sicherheit aufgegriffen und in äusserste kritische Distanz zum Nietzsche’schen Diktum gesetzt, dass, was fiele,  auch noch gestossen werden müsse.

Die mahnenden, aus bleischwerer Lethargie aufscheuchenden Materialdispositionen sind oft nur wenige Minuten oder Stunden sichtbar – sie werden nicht angekündigt, meist gar nicht wahrgenommen und verschwinden unbesungen wieder im Rachen der Abfallwirtschaftskreisläufe. Dieses müde Amalgam aus öffentlicher Anonymität, quicker Sterblichkeit und üblicher Ignoranz soll meine dokumentarische Intervention aufsprengen und den weisen Satz Gustav Mahlers in Erinnerung rufen: dass ‘Tradition’ die Weitergabe des Feuers bedeute, und nicht die der Asche.

DECIUS.artists - Projektkunst in der Tradition des objet trouvé + im absoluten Halteverbot

Foto: Andreas Ullrich

Themen: DECIUS