Der Professor aus Heidelberg und der Bierdeckel: Paul Kirchhof gefährdet den Fachbuchhandel!
Weit mehr als die Hälfte aller Steuerliteratur in dieser unserer Welt ist in deutscher Sprache verfasst (auch wenn mir häufig Zweifel kommen, dass es sich um eine Sprache handelt, geschweige denn um eine deutsche, wenn ich Steuerliteratur lese). Und es ist unumgänglich, sich intensiv mit dieser steuergestaltenden Literatur auseinander zu setzen: der steuerlich Ungebildete wird sonst (sofern er sich diese Bildung nicht als manpower oder als Papierhelferlein kaufen kann) gnadenlos geschoren. Schlecht für den Bürger (den einfachen zumal), gut für die Steuermagier und ihre Lieferanten.
Dieses robuste Verhältnis von politisch induzierter Nachfrage und privat produziertem Angebot wird von Paul Kirchhof mit seinem ‘Bundessteuergesetzbuch’ empfindlich gestört: einen Bierdeckel beherrscht auch eine steuerrechtliche Niete (ob mit oder ohne Nadelstreifen), braucht also nicht oder kaum auf käufliche Ressourcen zurück zu greifen: Kuli gezückt + abgedrückt.
Als Bürger entzückt mich dieser Gedanke, als Fachbuchhändler RWS entsetzt er mich. Skylla und Charybdis! Wie Odysseus (den die Horkheimer/Adorno’sche Dialektik der Aufklärung als Urbild des klug kalkulierenden Bürgers entdeckte) würde ich da dasjenige Ungeheuer wählen, das nur einzelne Menschen, nicht aber das ganze Schiff verschlingt (Skylla also) + dem entlasteten Bürger den Vorrang vor dem verschlungenen Buchhändler geben.
Aber das ist natürlich reinste theoretische Phantasie (uff!!!). Einfach weil ein Gesetzesvorhaben, das neben ganzen Berufsständen auch fast das ganze steuerinduzierte Gesellschafts-, Handels- und Bilanzrecht entbehrlich machte und damit+daneben auch noch Transparenz (!) erzeugte (was kein in der Wolle gefärbter Politiker eigentlich wollen kann), auch nicht die winzigste Chance auf Realisierung hat – selbst wenn es das Klügste wäre seit Immanuel Kant und das Praktikabelste seit Henry Ford.
Bescheiden wir uns also mit der Erkenntnis: wenn wir einmal im Leben geschmeckt haben, was eine richtig geile, knallrote Tomate an Aromen beim Verzehr freisetzen kann, sind wir vorbereitet, die üblichen Tomatenattrappen in Supermärkten als das zu erkennen + einzuschätzen, was sie wirklich sind: aromatisierte Wasserspeicher in Tomatenform. Und so soll es auch sein, wenn wir einmal im Leben ein wirklich kurzes + verständliches Steuerbuch in die Hand bekommen: alles andere wird uns dann umso gespenstischer erscheinen!
Schlagwörter: Bundessteuergesetz, Kirchhof, Steuerrecht



























