Martin Wehrle: Ich arbeite in einem Irrenhaus – Vom ganz normalen Büroalltag
Die Irrtümer-Literatur wuchert üppig: Rechtsirrtümer, Lebensmittel- und Medizin-Irrtümer, Umwelt- und Tier-Irrtümer. Geschichte, Bildung, Psychologie, Politik, Wissenschaft – alles von irrenden Vorurteilen bis zur Entstellung übersäht. Überall wird altgewohntes Denken von sachhaltigen Recherchen zerpflückt, gar zerschmettert und dem Orcus des Vergessens überantwortet (zumidest bis zum Ende der aufklärenden Lektüre). Nur ein Buch fehlt noch: das Buch von den Irrtümern über Irrtümer.
Denn, so meine feste Überzeugung, gäbe es sie nicht, diese Irrtümer, die Vorurteile, Missverständnisse oder die schlichten Macken: unsere Welt wäre schon schier zersprungen vor Rationalität und Vernünftigkeit. Dass sie bei aller Irrationalität und Unvollkommenheit noch lebt und gedeiht, ist für mich ein untrügliches Zeichen, dass eine gewisse ‘Irrtumskultur’ konstitutiver Bestandteil unseres Lebens ist. Die Lebenspraxis singt ein anderes Lied als es von der Ressourcen optimierenden Theorie komponiert wird.
Anders wäre es auch gar nicht denkbar, dass Firmen, die nach dem ‘Prinzip Irrsinn’ geführt werden (und dass es solche zur Genüge gibt, belegt die Lektüre des vorgestellten Buches ebenso witzig wie beklemmend und eindrucksvoll), länger als einige Werktage den Existenzkampf überstehen würden. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass ein ausgewachsener ‘Schrägheitskoeffizient’ (auch und gerade der Chefs) das Salz in der klug geplanten Suppe des Gelingens ist. Nicht nur Streicheleinheiten motivieren, auch Widerstand belebt das Geschäft.
In deutschen Betrieben herrschen haarsträubende Zustände – ob in mittelständischen Unternehmen oder großen Konzernen, die zunehmend zu geschlossenen Anstalten mutieren. Tyrannische Chefs pflegen ihre Marotten. Statt über Sachfragen zu diskutieren, werden in endlosen Meetings Machtkämpfe ausgefochten. Absurde Arbeitsabläufe sind fast schon die Regel.
Der renommierte Karrierecoach Martin Wehrle liefert einen schonungslosen Bericht aus dem Katastrophengebiet Büro. Anhand eines Tests kann der Leser herausfinden, wie sehr der Wahnsinn in seiner Firma das Zepter schwingt. Wehrle gibt zudem anschauliche Tipps, wie Sie den Bürowahnsinn überleben und irren Arbeitgebern durch ein Frühwarnsystem aus dem Weg gehen. Ein Buch für alle, die Tag für Tag wahnwitzige Arbeitsbedingungen zu ertragen haben.
(Text+Bild: Econ Verlag)
1. Auflage 2011, 288 Seiten Paperback
Econ-Verlag, ISBN 978-3-430-20097-4
Weiter Materialien, insbesondere eine Typologie des Chef-Wahnsinns, in der WirtschaftsWoche 36/2011 – Wahnsinns-Typen (leider als Premium-Inhalt nicht frei verfügbar):
PSYCHOPATHEN | Der Arbeitsplatz gleicht bisweilen einem veritablen Irrenhaus. Vor allem Manager sind anfällig für charakterliche Deformationen – mit weitreichenden Folgen: Größenwahnsinnige, Narzissten und Tyrannen treiben ihre Mitarbeiter entweder in die Flucht oder die innere Kündigung.
Schlagwörter: Chef, Mitarbeiter, Motivation



























