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By 10.01.2011

Reset 2011: Justitia reloaded

Einfach mal den Geist durchatmen lassen und die Sinne wieder einnorden: im hektischen und allzu vernünftigen Alltagsgeschäft geht manchmal etwas verloren, was wichtig wäre zu erinnern: die Frage nach dem ‘Warum?’ des ganzen Gewusels – jenseits der einfachsten Antwort, dass wir damit schlicht unseren Lebensunterhalt verdienen.

Zu diesem Zwecke möchte ich als Anregung auf den sehr lesenswerten NZZ-ArtikelJustitia ist blind und ist es doch nicht – Woran soll sich eine Philosophie der Gerechtigkeit orientieren?’ von Rainer Forst hinweisen und zur Lektüre empfehlen.

Es gibt nur wenige politische Tugenden, die in so starke Bilder gefasst werden wie die Gerechtigkeit: Sie kann schön und erhaben wirken, wie die Göttin Justitia des Frankfurter oder des Berner Gerechtigkeitsbrunnens, und sie kann furienartig und erbarmungslos erscheinen, wie Klimt sie für die Wiener Universität malte. Sie trägt die Waage in der einen und das Schwert in der anderen Hand, Insignien für ihre abwägende Vernunft und ihre Autorität, doch nicht immer trägt sie eine Augenbinde, die Frankfurter Göttin etwa nicht.

Auch wenn der Glaube an die Existenz einer solchen Göttin lange geschwunden ist, steht die Frage nach dem Verhältnis von religiösen und weltlichen Vorstellungen der Gerechtigkeit wieder auf der Tagesordnung. Und trotz jenem Schwinden hält sich hartnäckig die Idee, dass die Gerechtigkeit eine gesellschaftliche Verhältnisse «transzendierende» Grösse sei und dass sie in die Welt komme, um die Dinge geradezurücken und die Ungerechtigkeit zu bannen, die das Werk der Menschen ist. Es gibt freilich Zeiten, in denen diese Idee eher melancholisch wirkt, angesichts der aus dem Lot geratenen gesellschaftlichen Verhältnisse.

Themen: DECIUS

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